Almost every Greek or Roman building, whose above-ground architecture is at least partially preserved, exhibits signs of incompleteness, mostly in form of undecorated mouldings or unfinished surfaces. Comprehensive studies devoted to this...
moreAlmost every Greek or Roman building, whose above-ground architecture is at least partially preserved, exhibits signs of incompleteness, mostly in form of undecorated mouldings or unfinished surfaces. Comprehensive studies devoted to this well-known phenomenon are still pending though. Hans Lauter’s article ‘Künstliche Unfertigkeit. Hellenistische Bossensäulen’ (1983) and Thanassis E. Kalpaxis’ monograph ‘Hemiteles. Akzidentelle Unfertigkeit und “Bossenstil” in der griechischen Baukunst’ (1986) were primarily focused on the definition of incompleteness and on the potential of unfinished stages for the development of accepted new architectural forms. Unfinished details are often discussed in publications concerning single buildings and in many cases the authors are proposing individual reasons which may indeed sometimes have played a role: the imminent visit of the Emperor, changing priorities for the use of available resources or death of the builder-owner, etc. Such reasons can however hardly explain the ubiquitous phenomenon of incompleteness, and therefore one should rather look for ‘system errors’ in all areas of ancient architectural construction.
Nahezu jedes griechische oder römische Gebäude, dessen aufgehende Architektur wenigstens ausschnittsweise erhalten ist, weist Unfertigkeiten auf. Diesem an sich wohlbekannten Phänomen sind bisher kaum umfassende Studien gewidmet worden. Auch Hans Lauters Aufsatz ,Künstliche Unfertigkeit. Hellenistischen Bossensäulenʻ von 1983 (JdI 98, 287–310) und Thanassis E. Kalpaxis’ Monographie ,Hemiteles. Akzidentelle Unfertigkeit und „Bossenstil“ in der griechischen Baukunstʻ von 1986 haben vor allem die Definition von Unfertigkeit und ihr Potential für das Entstehen akzeptierter neuer Architekturdetails im Blick. Die Unfertig-keiten einzelner Bauten werden zudem in zahlreichen Architekturpublikationen behandelt, und immer wieder wird nach individuellen Gründen, die es hier und da auch tatsächlich gege-ben haben wird, für die jeweilige Unfertigkeit gesucht: Ein Bauherr kann verstorben sein, ein Kaiserbesuch stand an, die Prioritäten für die Nutzung der vorhandenen Ressourcen änderten sich etc. Das Phänomen der Unfertigkeit tritt jedoch zu oft auf, als dass es insgesamt mit sol-chen Einzelbegründungen zu erklären wäre. Abgesehen davon, dass nach wie vor zu fragen ist, was zu welcher Zeit als unfertig galt oder als neue, aus Relikten des Werkprozesses hervorgegangene Form akzeptiert wurde, ist also ist also nach ,Systemfehlernʻ in allen Bereichen des antiken Bauwesens zu suchen.